Mittwoch, 17. September 2014

Interview mit Tino Hemmann, Engelsdorfer Verlag, Teil II

Hier die Antworten von Tino Hemmann auf Fragen, die direkt Autoren betreffen, die Bücher veröffentlichen wollen. Und ich kann euch versprechen, es sind gute Antworten.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Bücher aus, die Sie veröffentlichen?

Mein Verlag ist ein Autorenverlag für eher unbekannte Leute. Es gibt einige wenige Bücher, die finanziell die Masse der Veröffentlichungen tragen, sonst wäre es nicht möglich, so viele Manuskripte verschiedener Genres zu veröffentlichen.
Die Kriterien sind ähnlich denen eines großen Verlages, nur dass ich ein Kriterium vernachlässige, das bei den großen Verlagen wahrscheinlich das wichtigste ist, nämlich das des Bekanntheitsgrads meiner Autorinnen und Autoren.
Ein weiteres Kriterium spielt bei mir eine Rolle, das bei anderen Verlagen vielleicht überhaupt keine Rolle spielt: Der soziale, gesundheitliche und menschliche Zustand des Autors.
Ich habe Bücher veröffentlicht, weil ich wusste, dass die Veröffentlichung das Leben bestimmter Menschen verändern – sprich verbessern wird. Mitunter ist es die Vergangenheitsbewältigung, mitunter sind es schwere Handicaps der Autoren, durch die sie bei anderen Verlagen abprallen. Ansonsten schauen wir natürlich auch auf die Qualität der Texte, sehen jedoch häufig, dass Texte so interessant für die Öffentlichkeit sind, dass auch schlechtere „repariert“ werden können.
Ich nehme mich sehr gern jener Thematiken an, die von den meisten Verlegern abgelehnt werden – ob es nun um NATO-Bomben oder andere sozialkritische Themen geht, wie kürzlich das Buch „Die Tage von Gezi“ von ZDF-Auslandkorrespondent Martin Niessen.
Zudem will ich natürlich unsere bekannten Reihen mit Leben füllen, die da sind die „Engelsdorfer Lyrikbibliothek“ und „Engelsdorfer Kinderbuch“. Ansonsten bin ich frei von Vorurteilen gegenüber allen möglichen Genres.
Deshalb ist unser Programm auch recht bunt.
 
Welche hätte überhaupt keine Chance in Ihrem Verlag?

Es gibt intern klare Festlegungen, was bei mir nicht veröffentlicht wird. Dazu gehören Texte, die rechtes oder demokratiefeindliches Gedankengut publizieren wollen, pornografische Werke und Manuskripte, bei denen die Gefahr einer Urheber- oder Persönlichkeitsrechtsverletzung besteht. Und es gibt natürlich auch Manuskripte, denen völlig die Substanz fehlt – aus welchen Gründen auch immer.
 
Jetzt wisst ihr, warum ich euch diesen Verlag vorgestellt habe.
Hier die Kontaktadressen:
Facebook, Engelsdorfer Verlag.
 
Tino Hemmann
Engelsdorfer Verlag
Schongauerstr. 25
04329 Leipzig
 
Und last, but not least:

Wie schaffen Sie es, Verlag und eigene Schriftstellerarbeit unter einen Hut zu bringen?

Ich schaffe das – ehrlich gesagt – nicht immer. In den letzten zehn Monaten kam ich beispielsweise nicht zum Schreiben. Stattdessen habe ich mich bemüht – was jeder Autor per innerstes Bedürfnis tun sollte – über Lesungen und Veranstaltungen meine Bücher, und selbstverständlich die meiner Verlagsautoren, bekannt zu machen.
In den letzten Monaten galt es große Buchprojekte zu betreuen. Andererseits ist für mich das Schreiben als solches eine Erholung, das Herunterfahren von Körper, Geist und Seele, das Eintauchen in andere Welten und damit das zeitlich begrenzte Vergessenmachen alltäglicher Sorgen und Ängste.
Wenn ich schreibe, dann meist nachts.
Ich habe jetzt fast 2000 Autoren aus 27 Ländern unter Vertrag, fast wöchentlich eine oder mehrere Veranstaltungen, da bleibt nicht viel Zeit für die eigenen Ideen.
Ich bin aber auch ganz stolz auf das Erreichte und die kleinen Erfolge meiner Autoren und auch meiner eigenen Bücher. Trotz aller Probleme waren einige unserer Publikationen in den vergangenen Monaten oft in Presse, Funk und Fernsehen zugegen.
Seit einem Jahr schreibe ich übrigens an einem neuen Thriller und bin noch nicht über das Vorwort hinausgekommen. Ist das nicht auch spannend?

 

 

 

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