Freitag, 11. November 2016

Alles unter einen (Zeit) Hut, nur wie?






Eigentlich sollte der 2. Teil meines Buches schon längst fertig und bei Amazon als e-Book zur Verfügung stehen. Aber ... Da ist die Familie, da ist das Reiki-Seminar am Wochenende. Und für das Seminar ist alles fix und fertig vorbereitet, ich freue mich unglaublich darauf.
Beim Absätze neu setzen - das Skript hat ein anderes Format- sind mir zig Stellen aufgefallen, die ich anders, viel schöner, formuliert haben wollen würde. Und werde.
Und hier ist eine Leseprobe für euch. :-) Heute Nachmittag fertig geworden.

   


... 
Ganz im Gegensatz zu Laith. Sowie der Drache abgehoben hatte, nichts als leere Luft unter ihm war, und davon jede Menge, der Boden sich weiter und weiter entfernte, begann alles sich vor seinen Augen zu drehen. Er versuchte, gegen eine Übelkeit anzukämpfen, die vermutlich so lange anhalten würde, bis er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dennoch versuchte er, in dem dicht fallenden Schnee über den Winterquartieren der el Zobeir, ihre Spuren zu entdecken.
   Doch nichts als unberührte Schneefelder, Bäume, die unter der weißen Last kaum zu erkennen waren, und unablässig fallende Flocken, lagen unter ihm. 
   Langsam überflog PJ ihr Winterquartier wieder und wieder, doch auch er konnte keinen einzigen Hinweis auf den Weg zu den Verstecken, zu denen sie gezogen sein mochten, erkennen. Der Drache flog weiter in die Berge hinein, versuchte, zwischen immer dichter fallenden Flocken, Eingänge zu irgendwelchen Höhlen zu erkennen. Nichts. Endlich, als seine Datenspeicher, die die verbliebene Zeit berechneten, die nötig war Berge sicher vor dem Sturm zu überqueren, alarmierende Werte zeigten, sah er einen schwarzen Schatten am Fuß der Berge.
   Der Drache landete und rief: »Das sieht nach dem Eingang zu einer Höhle aus. Sie müssen dort sein. Wenn nicht, sollten wir entweder jetzt so schnell wie möglich über die Berge, oder wir müssen hier bleiben.«
   Unendlich erleichtert, wenigstens für kurze Zeit wieder festen Boden unter den Füßen zu haben,   rutschte Laith vom Rücken des Drachen hinunter und reichte Eilika seine Hand.
   »Warte hier, PJ, wir gehen ein Stück in die Höhle hinein.«
   »Beeile dich, Junge, es bleibt uns nicht viel Zeit übrig, der Wind wird immer stärker.«
   Eilika und Laith folgten einem kalten, gewundenen Gang. Die Felswände an den Seiten wirkten wie glatt geschliffen, flackernde Lichter beleuchteten grauen, von ockerfarbenen Streifen durchzogenen, Stein. Es roch nach verbranntem Holz, die Geräusche vieler Stimmen und ... Tieren? ... vereinigten sich zu einem dunklen, tiefen, sehr lautem Orchester.  
   »Wir haben Glück.« Laith deutete auf Fackeln, die in regelmäßigen Abständen zwischen den Felsen steckten.
   »So eine Höhle ist ein besseres Versteck um sich vor den Drachen zu schützen, als der Haldhyn«, meinte Eilika leise, und sah immer wieder auf die Felsen über sich.
   »Nur sehr viel kälter«, erwiderte Hazim, der den Eingang zur großen Höhle bewachte. Die Anführer selbst sorgten dafür, dass niemand mehr ein leichtsinniges Opfer der Drachen werden konnte.
   Er lehnte sich mit verschränkten Armen an die Felswand. Zum Schutz gegen die Kälte trug er einen Pelzmantel, die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Während er seine überraschenden Besucher musterte, schob er sie herunter, zog die Handschuhe aus und schlug den Mantel wie einen Umhang zurück. Besser gesagt, während er Laith musterte. Seine grauen Augen begannen zwar zu glänzen, doch er schien Eilika gar nicht wahrzunehmen.         
   »Willkommen im neuen Winterquartier der el Zobeir, Laith von den el Haldhyn. Wie ich feststelle, hast du es tatsächlich eilig, meine Schuld einzufordern.«
   Kameradschaftlich grinsten sich die Männer an.
   »Hauptsächlich bin ich hier, euch zu warnen«, antwortete Laith und lehnte Hazims Angebot auf einen Platz an seinem Feuer ab. »Wir müssen sofort weiter. Es gibt keine andere Möglichkeit, als die Drachen dort zu besiegen, wo sie leben. Wir werden den Meister des Drachens wecken. Ihr solltet in dieser Höhle bleiben, bis die el Haldhyn euch die Nachricht bringen, dass es gelungen ist.«
   Hazim nickte kurz. »Wir haben schon unsere eigenen Erfahrungen mit den Ungeheuern gemacht. Wir werden auf eure Nachricht warten müssen.«
  Auch Eilika sah nahm ihre Mütze ab und sah an Hazim vorbei neugierig in die große Höhle.
   Nomaden saßen um Feuerstellen, über denen gekocht wurde. Ein würziger Duft vermischte sich mit dem Geruch des brennenden Holzes. Kinder liefen zwischen den bizarren Kalksteinformen hin und her. Im Hintergrund konnte sie die Eingänge zu weiteren Höhlen sehen, aus denen die Geräusche der Tiere zu ihr drangen. Eilika betrachtete alles und jeden sehr eingehend.
   Mit Ausnahme Hazims, der ebenfalls keinerlei Notiz von ihr nahm.
   Laith lächelte in sich hinein. Noch nie waren sich zwei Menschen so bemüht nicht begegnet.
   PJ, der leise zum Eingang geschlichen war, sah vorsichtig um die Ecke. Er hatte Angst, dass die Nomaden ihn für eines der Ungeheuer halten würden und blieb lieber außer Sichtweite. Doch er hatte ein Geschenk für den Nomaden. Der Drache lauschte dem Gespräch der Männer und spürte, dass eine respektvolle Freundschaft die beiden verband. Neugierig hörte er weiter zu.
   »Der zweite Grund meines Besuches, Shishkali, ist natürlich eine kleine Bitte an dich.«
   Hazim nickte betrübt.
   »Die Reise könnte länger dauern als geplant. Meine Kammer im Haldhyn muss also versorgt werden. Ich bitte dich daher, bis die Drachen besiegt sind, ein wenig auf sie zu achten, und dafür zu sorgen, dass sie bewohnbar bleibt.«
   Zornig fuhr Eilika ihn an: »Wie kannst du auch nur daran denken, einen Nomaden in den Haldhyn zu bringen?«
   Hazim, der schon versuchen wollte, mit Laith zu handeln, sah an Eilika vorbei in den Hintergrund der Höhle. Nachdenklich löste er sein Zopfband und schüttelte die vielen geflochtenen Zöpfe, die ihm weit über den Rücken reichten. Eben so groß wie Laith, hatte er die kräftigen Muskeln eines Steppenreiters. Seine Bewegungen verrieten geschmeidige Kraft. Hazims Augen begannen belustigt zu funkeln, im Dämmerlicht der Höhle wirkten sie fast schwarz und geheimnisvoll.
   Ohne dass sie es wollte, starrte Eilika ihn gebannt an.
   Im Gegensatz zu den meisten el Zobeir hatte sich Hazim keinen Bart wachsen lassen, um sein Gesicht vor der Kälte zu schützen, seine vollen, sinnlichen Lippen gaben dem Wort Favoritin eine ganz neue Bedeutung. Dieser Mann würde sich als seine Favoritin nur die besten aller Frauen aussuchen.
   »Wie lange denkst du, el Haldhyn, wird die Kammer ohne Anwesenheit einer Favoritin, von der man es so nicht sagen könnte, sein? Wird sie möglicherweise überprüfen, ob ich achtsam mit deinem Eigentum umgehe?«, fragte er.
   Mit so uninteressierter Stimme, dass PJ sich fragte, wie diese Spezies das machte. In zwei Sätzen schien der Nomade ein ausführliches Gespräch zu verstecken ...
   »Ich vermute, nach dem Schneesturm wird das eine oder andere Gesicht in meine Kammer sehen. Es ist nicht sinnvoll, Frauen in Kämpfe zu verwickeln, und viele Wege führen zum Haldhyn«, erwiderte Laith.
   Der Nomade sah ihn gleichmütig an. Dann nickte er kurz.
   »Nun, eine Schuld ist eine Schuld. Selbstverständlich werde ich sie begleichen. Nur könntest du feststellen, el Haldhyn, dass dir dein Eigentum dann nicht mehr vollständig gehört.«
   Schmunzelnd antwortete Laith: »Ich könnte einen Ritt durch die Ebene, besser noch eines eurer wertvollen Pferde als Ausgleich für den Verlust in Erwägung ziehen.«
   Natürlich, es hätte Hazim bestürzt, wäre diese Frau, die einen Favoriten hatte, ohne Wert gewesen.
   Eilika, die dunkel ahnte, dass zwischen den Worten etwas lag, das sie besser verstehen sollte, sah mit gerunzelten Brauen von Laith zu Hazim.
   Vorsichtig kam eine Kralle hinter den Felsen hervor, die den Nomaden zu sich winkte.
   »Du bist ein Freund meines Freundes, hab ich recht?«
   Hazim sah zu dem Drachen auf.
   »Freund ist ein schwerwiegendes Wort. Doch es könnte sein, dass ich für den Freund eines Drachen, der so viel Verständnis für die wichtigen Dinge im Leben zeigt, große Gefahren auf mich nehmen würde.«
   Die Mori waren nicht die Meister der Umschreibungen, soviel stand fest. PJ nickte beeindruckt.
   »Ich habe für den Freund meines Freundes ein Geschenk«, sagte er stolz. »Eigentlich sind es zwei.«   
   PJ kramte in seiner Tasche herum, dann gab er Hazim eine Rolle.
   »Darauf stehen die Regeln für ein Spiel, welches das Lieblingsspiel meines Freundes Degenhardt war. Übrigens sind die el Haldhyn sich ganz sicher, dass sie die el Zobeir damit besiegen werden.«
   Zufrieden beobachtete PJ, wie die Augen des Nomaden ärgerlich aufblitzten. Dieses Spiel war nur interessant wenn alle die Regeln kannten. Es konnte keinen unerlaubten Vorteil geben. Nicht bei Degenhardts Spiel.
   »Warum hast du das gemacht, Drache?« fuhr Eilika ihn an.
   Der gab keine Antwort und grinste breit. Dann legte er eine Pfote auf die Schulter des Shishkali und flüsterte ihm etwas ins Ohr, bei dem seine Augen groß wurden. Als Hazim verstand, was der Drache ihm da geschenkt hatte, griff er nach einer Pfote und schüttelte sie ohne Pause.
   »Was hast du ihm gesagt?«, fragten Laith und Eilika gleichzeitig.
   Mit einem Hauch Arroganz in der Stimme bemerkte PJ knapp: »Das ist eine private Angelegenheit«, und schob vorsichtig ein Testobjekt der Meister zur Seite,  dessen Minuswerte ständig stiegen.

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